Im Haus desjenigen Liberalen nämlich, dessen quasi gleichnamiges Buch (benannt nach seinem Blog bei der New York Times) er demnächst selbst an der FU vorstellen wird: “The Conscience of a Liberal”. So, Achtung. Großes Schwärmen über Professer und Professor-Haus volle Kraft voraus.
Jaaaaaaa, ich war heute bei Paul Krugman zu Hause. Nach der hauptsächlich krankheitsbedingten akademischen sowie sozialen Durststrecke der letzten Wochen hat sich das endlich mal wieder wie Princeton angefühlt. Hatte einen ganz wunderbaren Abend.
Gesprächsthemen verliefen quer durch den politischen Gemüsegarten. Von Obama (ja, er wird wohl der demokratische Kandidat) und Hillary (keine Ahnung, war alle sie zu hassen scheinen, in persona ist sie außerordentlich sympatisch), übers das öffentliche Transportwesen in den USA und Europa, die lokale Konzentration von Herstellern künstlicher Aromen in New Jersey, hin zur die soziale Stratifikation Princetons, welche es schwer mache, zeitnah einen vernünftigen Handwerker oder Poolboy zu finden (äh, Luxusproblem!) bis zum fröhlichen quakenden Frosch im Teich und den Tumor der Katze (ist raus, Katze lebt noch) schnurstracks zur kleinen Sensation des Abends: dem Amazon-Kindle (alle Männer drum rum, juchu, spielen!):

Und die ganzen anderen Themen hab ich vergessen. War einfach zu viel. Was ich aber nicht vergessen werde, ist der Witz des Abends:
- “So, Prof. Krugman, what’s the deal with the big fence? Is that to keep the deer out?”
- “Well, you know, … my mother-in-law lives around the corner…”
Stille… Dann schallendes Gelächter.
- “Wait, oh no, that didn’t come out right…”
Zur Erklärung der hohen Zäune kam er dann allerdings auch gar nicht mehr. Zu klären versucht haben wir ganz zum Schluss immerhin noch schnell das Hausarbeitsthema und den Termin seines Berlinbesuches inklusive Vortrag an der FU. Nach einigem Suchen meinte er am 21. Mai - die Website der FU sagt allerdings was vom 22. Mai. Mal sehen, wer am Ende recht hat.
Konnte mich bei der Gelegenheit auch ein bisschen in seinem Arbeitszimmer umsehen und erleichtert feststellen: Sieht genauso unordentlich kreativ aus wie bei mir. Er meinte auch, er hätte noch die gesehen, dass intellektuell erfolgreich arbeitende Leute ordentlich Schreibtische hätten. Folgendes an meine Kritiker: Da, nehmt das! Ich werde nie wieder aufräumen! Mach ich ja eh fast nie, aber jetzt kann mich auch keiner mehr vom Sinn des Gegenteils überzeugen. Ha!
Insgesamt ein voll toller Abend. Nicht viel anders als sein Kurs, außer dass es Essen gab. Der geringe Unterschied zum Geschehen im Kursraum ist sicherlich dadurch bedingt, dass Krugman eh eine sehr lockere Unterrichtsweise hat. Wenn man das Unterrichten nennen kann. Eigentlich erzählt er vorwiegend Anekdoten aus seinem Privatleben und dem seiner Eltern und Schwiegereltern. Aber als journalistisch tätiger Ökonom ist er ja tagtäglich ja nah dran am wirtschaftlichen und politischen Geschehen, sodass sich das alles (meist) irgendwie mit den Kursinhalten verbinden lässt.
So hat er uns letztens z.B. das Theme Produktivität ganz bildlich vor Augen geführt. Erster Tag schönes Wetter in diesem Semester und er schlug vor, einen Teil der Sitzung im Freien abzuhalten.
So haben wir zumindest hautnah erfahren können, was Produktivität NICHT ist: Ne angenehme Mischung aus chillig, entspannt und “Oh, ich hab den ersten Sonnenbrand dieses Jahres!”. Prima, diese Nicht-Produktivität. Bald wieder. Aber jetzt erstmal Hausarbeiten…